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R H E I N I S C H E R I T T E R S CH A F T 1 8 0 3 • Interview des 6. Großmeister der Rheinischen

• R H E I N I S C H E R I T T E R S CH A F T 1 8 0 3 • Interview des 6. Großmeister der Rheinischen

Ritterschaft 1803 mit der ALLGEMEINEN BERLINER ZEITUNG Hoch zu Ross, Helm auf dem Kopf und Schwert in der Hand – so stellt man sich Ritter aus längst vergangenen Zeiten vor.

Hubertus J. H. H. Reckenthal

Aber Ritter gibt es noch immer. Allein in Deutschland gibt es mehrere Tausende Ritter in verschiedenen Ritterorden und Ritterbruderschaften. Großmeister Hubertus J. H. H. Reckenthal ist einer von ihnen. Im Interview mit der ALLGEMEINEN BERLINER ZEITUNG erzählt er, wieso er Ritter ist und wann auch heute noch ein Schwert in die Hand genommen wird. ABZ: Wie wird man Ritter in Ihrer Rheinischen Ritterschaft, Herr Reckenthal? Reckenthal: Bei der Ritterschaft meiner Vorfahren muss man zunächst zu einem Ritter oder Dame ernannt werden. Das hat historische Gründe.

Die Ernennung erfolgt durch den amtierendenGroßmeister (Oberhaupt der Ritterschaft), auf Vorschlag eines Grossprior’s, dem Leiter einer nationalen oder regionalen Loge der Ritterschaft. Der „Hohe Rat“ (bestehend aus 6 Grossprioren) entscheidet dann ob der- oder diejenige aufgenommen wird. Der Ernennung zum Ritter oder Dame müssen der Hohe Rat und der Großmeister einstimmig zustimmen. Der Hohe Rat ist die oberste Loge und Leitung der Ritterschaft. Der Großmeister führt die Ritterschaft an, traditionell ist er ein Nachkomme aus dem Hause Reckenthal. „Rote Mäntel nur bei feierlichen Anlässen“ ABZ: Kann man sich um eine Ritter-Ernennung bewerben? Reckenthal: Nein, man muss von einem bestehenden Mitglied der Ritterschaft der jeweiligen Vorsitzenden Loge dem Grossprior vorgeschlagen werden, und das wird man dann nur, wenn man unsere Leitziele erfüllt. Das heißt, man muss unsere Ziele und Tugenden leben, bewahren und sich dementsprechend in der Öffentlichkeit verhalten. ABZ: Was kommt dann nach der Ernennung zum Ritter? Reckenthal: Es gibt verschiedene Titel/Ränge in der Ritterschaft, zu denen man für besondere Verdienste und Leistungen befördert werden kann. Je höher der Titel/Rang, desto höher sind Stimmrechte und Zugänge zu besonderen Ämtern in der Ritterschaft gegeben. Ansonsten aber mit denselben Pflichten, die für alle in der Ritterschaft gelten. Die höchste Stufe nach dem Großmeister ist der Grossprior. Die Bezeichnung hat rein historische Gründe. Nicht jeder Ritter wird zum Grossprior ernannt, sondern nur solche, die sich besonders verdient gemacht haben. Zum Ritter oder Dame wird man geschlagen in einer feierlichen Zeremonie, die jedes Jahr im Herbst stattfindet. ABZ: Hat eine solche Zeremonie noch irgendetwas mit dem Ritterbild zu tun, das man aus Sagen kennt? Mit Schwertern, Rüstungen und Burgen? Reckenthal: Man wird tatsächlich damals wie heute im Rahmen einer traditionellen Zeremonie inthronisiert, mit Schwert auf der Schulter und einer Eidesformel, die man zu schwören hat. Das sind die Insignien der alten Rheinschen Ritterschaft die aufs Jahr 1803 zurückgeht. Diese traditionelle Inthronisation wird einmal im Jahr im Oktober mit dem „Ritterschlag“ durchgeführt. Das läuft so ähnlich ab wie bei der englischen Königin – durch einen angedeuteten Schlag mit einem Schwert auf die Schulter. Bei uns macht das der Großmeister. Für die Ernennung zum Ritter oder Dame wird einem die Ritterliche Grosskreuzschärpe um die Schultern gehängt. An die Tradition der Ritterschaft erinnert auch die Bekleidung. Rote Mäntel mit dem Ritterwappen. In dieser Aufmachung treten die Mitglieder je nach Titel und Rang, allerdings nur bei eigenen feierlichen Anlässen wie der „Ritterschlag“ auf. Außerhalb der Ritterschaft tragen unsere Mitglieder zu offiziellen Anlässen die überreichte Grosskreuzschärpe und die Krone als Zeichen der Verbundenheit mit der Rheinischen Ritterschaft. ABZ: Wie sind Sie zur Ritterschaft gekommen? Reckenthal: Dieses besondere Amt wird in meiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben und praktiziert. So war es auch bei mir. Seit 1803 wurde dieses Amt vom Gründer aus, an alle weiteren Nachfahren bis hin zu meinem Vater und dann an mich in 6. Generation weitergegeben. Adlige protestantische Familien standen der Ritterschaft seit Jahrhunderten traditionell nahe. Früher war die Ritterschaft ja nur für Adelsfamilien offen. Heute ist das etwas anders, was auch gut und richtig ist. Allerdings nach wie vor sind adligen Namen und Adelstitel in der Ritterschaft zu gegen. Eine gewisse familiäre Affinität war bei mir also da. Aber das ist nicht das Entscheidende. Man muss sich vielmehr darüber bewusst sein, dass das Leben nicht nur daraus besteht, beruflich und finanziell möglichst erfolgreich zu sein. Es geht auch darum, sich den Tugenden, Traditionen und Brauchtümer zu widmen, was ich seit meiner Kindheit und der jetzigen Regentschaft seit 2005 tue. ABZ: Frauen können auch Ritter werden. Gibt es ein Pendant? Reckenthal: Ja, seit der 215. Jahrfeier in 2018 werden Frauen in unserer Mitte als „Dame“ aufgenommen. Zu Verdanken haben wir das, der leider viel zu früh verstorbenen Petra Freifrau von Schleinitz, einer langjährigen Freundin meiner Familie, die sich dafür Stark gemacht hat das überhaupt Frauen aufgenommen werden. Somit ging Sie als 1. Ehrenritterdame in die Geschichte unserer Ritterschaft ein, was mich sehr Stolz macht. Heute verzeichnen wir ca. 35 Frauen in unserer Gemeinschaft.

Text: ABZ von Frank Pfuhl / Fotos: Großmeister Hubertus J. H. H. Reckenthal

Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
ABZ Redaktion Berlin

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